Aktuelles

BAG-BEK-Stellungnahme zur (Nicht-) Wiedereröffnung der Kitas

Während in ganz Deutschland für verschiedene Bereiche Lockerungen des Shutdowns diskutiert werden und die Schulen teilweise wieder öffnen bzw. Wiedereröffnungspläne vorlegen, sollen Kindertageseinrichtungen (Krippen, Kindergärten, Horte, Kinderhäuser etc.) für die meisten Kinder weiterhin bis zum Ende des Schuljahres verschlossen bleiben. Dies ist vor dem Hintergrund der Bedeutung dieser Einrichtungen für Kinder und Eltern nicht verständlich. Denn Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Entwicklung der Kinder in einer dynamischen und sensiblen Phase ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Während in ganz Deutschland für verschiedene Bereiche Lockerungen des Shutdowns diskutiert werden und die Schulen teilweise wieder öffnen bzw. Wiedereröffnungspläne vorlegen, sollen Kindertageseinrichtungen (Krippen, Kindergärten, Horte, Kinderhäuser etc.) für die meisten Kinder weiterhin bis zum Ende des Schuljahres verschlossen bleiben. Dies ist vor dem Hintergrund der Bedeutung dieser Einrichtungen für Kinder und Eltern nicht verständlich. Denn Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Entwicklung der Kinder in einer dynamischen und sensiblen Phase ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V., die sich für die Belange der Jüngsten sowie ihrer Eltern einsetzt, legt mit dieser Stellungnahme dar, warum eine baldige
wohlüberlegte Wiedereröffnung für möglichst alle Kinder dringend erforderlich ist.

Kindertageseinrichtungen sind vor allem Orte für Kinder
Kindertageseinrichtungen richten sich mit ihrem Angebot sowohl an Kinder als auch an Eltern. Für die Kinder ist die Kita ein Ort neben ihrem zuhause, in dem sie Gleichaltrige treffen und andere
Erwachsene neben der Familie kennen lernen. Durch die Auseinandersetzung mit all diesen Personen entwickeln Kinder soziale Kompetenzen und erhalten in vielfältiger Weise Anregungen und Ideen. Sie setzen sich mit ihnen auseinander, indem sie spielen, mit den Personen interagieren und Dinge erleben, und entwickeln sich so in ihrer gesamten Persönlichkeit weiter. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist die Kita damit ein Ort, der für die Kinder Entwicklungen außerhalb der Familie ermöglicht und sie in ihrem Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wachsen
lässt. Diese Möglichkeiten sind aktuell durch die Beschränkung auf die Familie, geschlossene Spielplätze, nicht-verfügbare Großeltern und Freunde sehr eingeschränkt. Je länger dieser Zustand
dauert, desto mehr ist jedes Kind von der einzelnen Familie abhängig und von Gleichaltrigen isoliert.

Recht auf Bildung ist ein Kinderrecht
Die UN-Konvention über die Rechte der Kinder macht darauf aufmerksam, dass Kinder, unabhängig von Erwachsenen, Träger eigener Rechte sind. Dazu gehören das Recht auf Schutz und Sicherheit, aber auch das Recht auf Bildung1. Staaten, die die Kinderrechte ratifiziert haben, müssen für deren Umsetzung sorgen. Durch Kita-Schließungen ist jedoch das Recht auf Bildung für junge Kinder eingeschränkt. Kindertageseinrichtungen bieten ein anregendes und an den Bildungsplänen der Bundesländer orientiertes Angebot, welches von qualifizierten Fachkräften, anknüpfend an die Interessen der Kinder, gestaltet wird. Damit tragen Kitas zur Realisierung des Rechts auf Bildung für Kinder bei. Insbesondere Kontakt zu Gleichaltrigen ist eine wichtige Bildungsressource für Kinder, daher sollte als erster Schritt dieser Austausch wieder ermöglicht werden – auch außerhalb der Kita etwa auf Spielplätzen.

Eltern brauchen Unterstützung und Entlastung
Nicht nur die Kinder profitieren von Kindertageseinrichtungen, auch die Eltern, Mütter und Väter, benötigen die ergänzende Bildung und Betreuung und ggf. Unterstützung durch die Einrichtungen. Dabei ist nicht nur eine Erwerbstätigkeit als Grund zu nennen, sondern auch Krankheiten, Überforderung oder spezifische Unterstützungen für Kinder mit besonderen Förderbedarfen. Alleinerziehende, Eltern mit zwei Vollzeitjobs, Mehrkindfamilien, belastete Familien und viele andere haben ihren Alltag auf das Angebot von Kindertageseinrichtungen zugeschnitten und können nicht ersatzlos darauf verzichten. Zudem ist Home Office mit jungen Kindern fast nicht möglich, da diese Aufmerksamkeit wollen und brauchen und nicht sich selbst überlassen werden sollten. Eine Abmilderung des Shutdown mit der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit lässt sich demnach nur mit einer parallelen schrittweisen Wiedereröffnung der Kindertageseinrichtungen (von Krippe bis Hort) gewährleisten, der einem klaren Zeitplan folgt und regelmäßig an das Infektionsgeschehen angepasst werden muss. Hierzu sind jedoch einige Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Veränderungsbedarfe für eine Wiedereröffnung
Die Ansteckungsgefahr unter Kindern ist bislang wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht, jedoch scheinen sich Kinder seltener anzustecken und sind weniger von den Auswirkungen des Virus betroffen. Dennoch müssen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Um die Fachkräfte zu schützen, müssen Gesundheitsschutz – und Hygienekonzepte mit der Maßgabe erarbeitet werden, kindliche Bedürfnisse und den gewohnten Umgang mit den Kindern möglichst wenig einzuschränken. Zur Ermittlung potenzieller Kapazitäten für eine verantwortungsvolle Ausweitung der Betreuung sind verschiedene Parameter wie angestrebte Gruppengrößen, angestrebte Fachkraft-Kind-Relationen, verfügbares, nicht zur Risikogruppe gehörendes Personal, verfügbare Räumlichkeiten und Raumgrößen zu ermitteln und miteinander in Beziehung zu setzen. Entsprechende Planungstools werden aktuell entwickelt. Sie sollten bundesweit und trägerübergreifend verfügbar gemacht und eingesetzt werden.

Fehlendes Personal, kleine und zu enge Räumlichkeiten und die Unterfinanzierung des gesamten Systems werden jetzt zur zusätzlichen Belastung, weil sie verhindern, dass eine vollständige Wiedereröffnung unter Berücksichtigung von Hygienestandards zeitnah möglich wird. Dies wird sowohl den Kindern als auch ihren Familien und Fachkräften, aber auch der Wirtschaft und damit der gesamten Gesellschaft schaden. Daher fordert die BAG BEK e.V., wie bereits in den vergangenen Jahren, Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege endlich als systemrelevant für die gesamt Gesellschaft anzuerkennen und entsprechend finanziell auszustatten.

 

1 https://www.unicef.de/informieren/ueber-uns/fuer-kinderrechte/un-kinderrechtskonvention

Für den Vorstand der BAG BEK e.V. : Tina Friederich, Rahel Dreyer, Susanne Viernickel, Petra
Strehmel, Elke Alsago, Karsten Herrmann und Friderike Pankoke


 

In Ihrem Interview spricht Ulrike Glöckner über die Qualität in der Schulkindbetreuung. Sie berät Träger und Verantwortliche zu diesem Thema, setzt sich auf der politischen Ebene damit auseinander und entwickelte ein Qualifizierungskonzept für nicht einschlägig qualifizierte Fachkräfte. Wir freuen uns über Kommentare und weiter Anregungen zu diesem Beitrag unter info@impulse-akademie.de

 https://kita-onlinekongress.de/qualitaet-in-der-schulkindbetreuung/

 

Des Weiteren interviewt sie Holger Renner, pädagogischer Fachberater der Schulkindbetreuung des Amtes für Schule und Bildung in Freiburg und Lilli Sterz, Leiterin eines evangelischen Kindergartens in Hügelheim mit Antworten zu den Herausforderungen in dieser Zeit.



Hort und Ganztagsbildung – Kooperativer Fachtag
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Publikationen


 

 


 

Claudia Füßler
Qualifizierungskurse

Neue Perspektiven und Bestätigung für die Arbeit

Die Stadt Freiburg schickt alle Seiteneinsteiger der Schulkindbetreuung in zweijährige
Qualifizierungskurse. Teilnehmer profitieren von neuem Wissen und gestärktem
Selbstbewusstsein.

“Es war eine großartige Chance, um in die Schulkindbetreuung richtig reinzukommen“, lautet
das Fazit von Karin Kirschvink. Zwei Jahre lang hat die gelernte Ergotherapeutin sich parallel zu
ihrer Arbeit an insgesamt 40 Tagen gemeinsam mit anderen Seiteneinsteigern zur Fachkraft in
der Schulkindbetreuung qualifizieren lassen. Seit 2017 arbeitet sie im Betreuungsbereich einer
Freiburger Grundschule. Die Verwaltung der Stadt im Breisgau verpflichtet alle Seiteneinsteiger
ohne pädagogische Ausbildung zur Teilnahme an diesem Qualifizierungsprogramm. „Sehr
kompakt, anstrengend und interessant“, sagt Karin Kirschvink, seien die Tage gewesen. Sie hat
20 Jahre lang in einem Krankenhaus gearbeitet und dabei viel mit geriatrischen Patienten und
Demenzkranken zu tun gehabt. „Ich konnte da erstaunlich viele Parallelen ziehen“, berichtet sie.
Im Umgang mit Kindern fühlte sich Kirschvink eigentlich schon vorher kompetent. Ihre ersten
Erfahrungen in der Grundschule, in der sie seit 2017 arbeitet, sind positiv. Sie bekommt viel
Unterstützung von der Leitung und dem gesamten Team. Dennoch habe ihr die Weiterbildung
viel gebracht, sagt sie. „Ich fühle mich bestärkt in dem, was ich tue, und habe den Austausch mit
Kolleginnen sehr genossen. Da hat jede ganz andere Erfahrungen aus ihrem jeweiligen Bereich
eingebracht.“

Herausforderung für Dozenten

Dieses breite Feld ist einerseits bereichernd für die Teilnehmerinnen – andererseits aber eine
enorme Herausforderung für die Dozenten. „Wegen der großen fachlichen Diversität war der
Aufbau von gegenseitigem Vertrauen eine enorm wichtige Aufgabe“, sagt Ulrike Glöckner von
der impulse- Akademie, die die Grundlagenqualifikation im Auftrag des Amtes für Schule und
Bildung der Stadt Freiburg entwickelt und durchgeführt hat. „Wir wertschätzen das, was jede
bisher in ihrem Leben geleistet hat, und versuchen alle mit den behandelten Themen dort
abzuholen, wo sie stehen, ohne dabei zu über- oder zu unterfordern.“
Es gilt eine Menge an Theorie- und Praxiskenntnissen zur mittleren Kindheit und zur
Schulkindbetreuung zu vermitteln. Die Dozenten orientieren sich an aktuellen
Forschungsergebnissen aus der Neurobiologie und der Entwicklungspsychologie. „Besonders
wichtig ist es uns, ein pädagogisches Selbstverständnis zu erarbeiten. Jede Teilnehmerin muss
auch bereit sein, sich selbst und ihre Arbeit zu hinterfragen“, erklärt Glöckner. Gerade hat die
dritte Gruppe mit der Qualifizierung begonnen. Glöckner und ihr Team haben aus den ersten
beiden Runden gelernt, hier und da ein wenig nachjustiert. „Das Feedback der bisherigen
Teilnehmerinnen war enorm wertvoll“, sagt Glöckner, „so entwickeln wir jetzt langsam so etwas
wie Routine.“

Gleiche Bildungschancen für alle

Die positiven Rückmeldungen der Seiteneinsteiger seien beachtlich, lobt Hermann Maier, Leiter
des Amtes für Schule und Bildung. Das Erfolgsrezept beruht seiner Meinung nach auf zweierlei:
Die Teilnehmer fühlen sich bestärkt, dass die eigene Arbeit gut und richtig ist. Aber die Kurse
vermitteln auch neue Perspektiven und Ideen. „Den Austausch in der Gruppe sehen alle als sehr
gewinnbringend an“, berichtet Maier. Auch für die Stadt ist die Trägerschaft der
Schulkindbetreuung eine recht neue Aufgabe. „Wir wollen ein pädagogisch reflektiertes
Angebot, das die Stärken eines Kindes sieht und es voranbringt“, beschreibt Maier die
Herausforderung. Weder sollen die Kinder nach dem Unterricht „nur betreut“ werden, noch soll
der Schulvormittag einfach fortgesetzt werden. Das Spiel ist ein wichtiges Element des
Nachmittags, das aber mit Bildungsangeboten angereichert werde – eine Herausforderung für die
entsprechenden Teams. „Zumal es diesbezüglich bisher wenige Forschungsergebnisse gibt zu
Kindern zwischen sechs und zehn Jahren“, sagt Maier. Die Stadt Freiburg habe den Anspruch,
unabhängig von der Herkunft jedem Kind gute Bildungschancen zu bieten. Dabei spielt das
außerschulische, also das nonformale Lernen eine große Rolle. „Ich hoffe, dass es uns
mittelfristig gelingt, ein ganztägiges Bildungsangebot mit integrierter Betreuung zu schaffen“,
sagt Maier.
Gabriele Leitner* verfügt dafür mittlerweile über viel theoretisches Wissen. Die gelernte
Sozialwissenschaftlerin schätzt an den gerade abgeschlossenen zwei Jahren der Qualifikation vor
allem die praktischen Inhalte. „Welche Möglichkeiten habe ich mit Musik, Tanz und Bewegung?
Mit welchen Materialien kann ich arbeiten? Welche Experimente bieten sich an? Hier habe ich
Antworten auf all diese Fragen gefunden, weil hier so viele Menschen mit ganz verschiedenen
Lebensund Praxiserfahrungen zusammengekommen sind“, lautet ihr Fazit.
Dass die Qualifikation inspirierend wirkt, hat auch Edith Gärtner erlebt: „Es ist einfach toll,
wenn Leute aus dem Kurs kommen und vor Ideen nur so sprudeln“, sagt die Sozialpädagogin
und Leiterin des Erzieherteams an der Freiburger Tullaschule. Sie sieht das
Weiterbildungsprogramm nicht nur als Hort kreativer Ideen, sondern auch als Bestätigung für die
Betreuer. „Es gibt vielen noch einmal mehr Selbstbewusstsein, wenn sie merken, dass ihre Arbeit
mit den Kindern Hand und Fuß hat.“ Gärtner freut sich über jeden, der mit neuen Anregungen
zurück in die Schule kommt: „Wir greifen eine Menge auf, bei uns versickert nichts.“

* Name auf Wunsch der Teilnehmerin geändert

Claudia Füßler
Freie Journalistin aus Freiburg, schreibt über Psychologie, Medizin und Wissenschaft.
Quelle: klasseKinder! 2018, Heft 4, S. 42-43
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